Familie in Zeiten der Corona Teil 3 – Medienzeiten? Wie schreibt man das?

Familie in Zeiten der Corona Teil 3 – Medienzeiten? Wie schreibt man das?

Wir haben aufgegeben.

Jahrelang haben wir in Sachen Mediennutzung ein im Vergleich zu Eltern im Freundeskreis recht strenges Regiment geführt. Darauf war ich immer ein bisschen stolz. „Wie macht Ihr das nur?“, hörte ich oft von Freunden. „Meine Jungs würden ausflippen wenn ich ihr Handy einkassieren würde!“

Nun, das sind unsere auch. Regelmäßig. Und mehr als einmal haben wir den Titel „Schlimmste und gemeinste Eltern der Welt“… ach, was sage ich „…des Universums“ mit Abstand für uns entscheiden können.

Unsere Jungs sind 13 und 11 und technisch gut versorgt. Beide besitzen ein eigenes Handy, teilen sie sich einen eigenen PC und wir haben zwei unterschiedliche Spielkonsolen, die sie beide nutzen.

An Schultagen durften sie immer etwa 2 Stunden am Tag „digital spielen“, inklusive Handyzeit, da diese vorwiegend genutzt wird um sich irgendwelche (pseudo-)lustigen Mini-Videos anzugucken. Das hatten wir dank diverser Apps auch wirklich gut im Griff. Die Handys der Jungs haben beide eine Altersbeschränkung, sodass sie keine Inhalte ab 16 Jahren aufrufen und anschauen können. Außerdem können sie keine In-App-Käufe tätigen und keine Spiele herunterladen, die nicht ihrem Alter entsprechen.

Am Wochenende waren wir großzügiger. Da konnten aus den 2 Stunden auch leicht schon mal 4 Stunden werden.

Aber wer denkt, dass die Kinder sich jemals freiwillig an irgendwelche Vorgaben und Abmachungen gehalten haben, hat sich leider geschnitten. Diese romantische Vorstellung habe selbst ich schnell über Bord geworfen. Sobald die vereinbarte Zeit vorbei war, kam der unangenehme Teil – die Diskussion. Und genau diese ist es, die viele Eltern scheuen. Aus gutem Grund.

Ich muss sagen, dass ich wirklich immer noch erstaunt bin, wie sehr Kinder sich durch Medienberieselung – seien es Videos oder irgendein Computerspiel – negativ verändern. Die bloße Erinnerung an das herannahende Ende der vereinbarten Zeit genügte meist um ein eigentlich umgängliches Kind in ein wutschnaubendes gereiztes Monster zu verwandeln, mit dem man sich lieber nicht anlegen wollte.

Also ganz klar: Ja, auch UNSERE Kinder „flippen aus“ wenn man ihre Handys oder sonstige Geräte konfisziert. Denn das muss ich tun. Ich muss die Dinger nach der vereinbarten Zeit einsammeln und in einen Schrank einschließen, da sie eine unwiderstehliche Anziehungskraft besitzen. Würden sie hier nur irgendwo im Haus herumliegen und eines der Kinder geht nur daran vorbei, hängt es sofort wieder daran. Und ja, wir haben beides ausprobiert. Der unbegrenzte Zugang hat sich in der Praxis nicht bewährt, weil er unsere Kinder leider binnen kürzester Zeit zu „Smombies“ mutieren lässt.

Ja, wir HATTEN das wirklich alles sehr gut im Griff. Und dann kam Corona.

Seit Corona ist alles anders. An Wochentagen bleiben die Geräte bis Mittags im „Giftschrank“, da ich großen Wert darauf lege, dass hier nicht schon vor dem Frühstück „herumgeballert“ wird oder irgendwelche „YouTuber“ oder „Tik Tokker“ durchs Haus krakelen. Außerdem müssen die Aufgaben aus der Schul-Cloud ja abgearbeitet werden. Das machen wir mittlerweile Vormittags zwischen 9 und 12 Uhr.

Und um Punkt 12 Uhr mit dem ersten Glockenschlag fällt hier dann der Stift aus der Hand, der Schrank wird geöffnet und dann sind der Mann und ich für den Rest des Tages kinderlos. Hier und da kommt mal jemand zum Essen vorbei, aber im Großen und Ganzen hängen die Jungs dann wirklich nur noch in ihren Zimmern und zocken. Manchmal sind es bis zu 6 Stunden am Tag.

Für manch einen aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis mag das wie die Beschreibung des Paradieses klingen. Endlich machen die Kinder mal was in ihren eigenen Zimmer und diese himmlische Ruhe im Haus – herrlich! Aber ganz ehrlich? Ich finde das richtig scheiße!

Corona und das Homeschooling haben hier alles durcheinander gebracht. Es fehlt einfach an so vielem: der Schule, sozialen Kontakten, strukturierten Abläufen, dem normalen Familienalltag … und eben auch an Kraft und Energie.

Für die Medienerziehung unserer Kinder haben wir im Moment einfach keine Energie mehr übrig. Natürlich haben wir zu Beginn versucht, unser Konzept aufrecht zu erhalten. Aber die täglichen Auseinandersetzungen und die Erkenntnis, dass irgendwie gerade alle Eltern kapituliert haben wenn es um die Medienzeiten geht, haben uns schließlich in die Knie gezwungen.

„Macht Euch nicht die Nerven kaputt! Es kommen auch wieder andere Zeiten“, sagt meine Mutter dazu. Und, da meine Mutter oft Recht hat, versuche ich mich mal damit zu beruhigen. Auch wenn es sich schon ziemlich nach Versagen anfühlt.

 

 

 

 

 

 

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