Ferien

Ferien

Juhu! Endlich Ferien!“, schrie mein neunjähriges Ich, kaum, dass der Schulgong das Ende des letzten Schultages verkündet hatte. Ich schwang meinen Ranzen auf den Rücken und hüpfte fröhlich schnatternd mit meinen Schulkameraden nach Hause. Der Plan für die kommenden Wochen war klar: morgens länger schlafen, tagsüber mit Freunden abhängen und abends Cola trinken und lange aufbleiben.

Die Ferienzeit war die beste Zeit des Jahres, fand ich…BEVOR ich auf die andere Seite gelangte. Heute…27 Jahre später…hat sich meine Sichtweise geringfügig verändert. Schlägt man den Begriff „Ferien“ im Wörterbuch meines Lebens nach, findet man folgende Definition:

Ferien“, die:

Vorübergehende Zeitspanne, die den regulären Schulalltag unterbricht und der Erholung und Regeneration der Schüler und Lehrer dient. Zu gleichen Teilen stellt sie jedoch die Erzeuger der Schüler vor eine große Herausforderung, die sich mit der Tatsache konfrontiert sehen, ihr Kind für die kommenden Wochen 24 Stunden am Tag um sich zu haben. Das allein stellt allerdings kein großes Problem dar, wäre da nicht die zunehmende Unfähigkeit des Kindes, sich alleine sinnvoll zu beschäftigen. Sätze wie „Mir ist langweilig!“ oder „Was machen wir heute?“ gehören genauso zu einem klassischen Ferientag wie so vorwurfsvolle Äußerungen wie „Der Tim ist mit seinen Eltern auf Fuerteventura! Und was machen wir!?“ oder „Die anderen aus meiner Klasse dürfen in den Ferien alle so lange aufbleiben wie sie wollen!“. Überlebenstipp für Eltern: Überlegen Sie sich schon vor Beginn der unterrichtsfreien Zeit geeignete Unterhaltungsangebote für ihr Kind, organisieren Sie Verabredungen und scheuen Sie nicht davor zurück, Betreuungsangebote oder Ferienfreizeiten in Anspruch zu nehmen!

Als berufstätige Eltern bleibt uns meist gar nichts anderes übrig, als zeitweise auf die Ferienbetreuung der Schule zurückzugreifen.

Das Angebot unserer Schule ist ganz ok. Die Kinder machen dort viele Ausflüge, Bastel- und Sportaktionen und sind größtenteils mit Kindern und Erziehern zusammen, die sie bereits kennen. Einziges Manko: Ausschlafen ist nicht! Alle Kinder müssen bis spätestens 9 Uhr in der Schule sein; wenn man noch die Anfahrt mit einplant, bedeutet das also spätestens um 7 Uhr aus den Federn zu kriechen. Das wollten wir den Kids wenn es nicht zwingend nötig ist gerne ersparen und so entschieden mein Mann und ich, die Osterferien diesmal ohne Betreuung zu regeln; in der naiven Vorstellung, dass die Kinder diese Entscheidung begrüßen würden. Die erste Woche sollte ich zu Hause bleiben, in der zweiten Woche sollte der Papa dann das „Vergnügen“ haben.

Die Begeisterung der Kinder hielt sich in überschaubaren Grenzen. Dabei hatte Mama sich mit dem Unterhaltungsangebot soviel Mühe gegeben. In der ersten Woche absolvierten wir alle dringend notwendigen Arztbesuche, die nicht in meinen Arbeitsalltag gepasst hatten, sowie diverse Einkäufe und eine groß angelegte Fahndung nach zu klein gewordenen Kinderklamotten für den bevorstehenden Flohmarkt. Da die Jungs von meinem „Ferienprogramm“ total angepisst waren, und Stimmen laut wurden, dass man die nächsten Ferien lieber wieder in der Betreuung verbringen wolle, musste ich mir etwas einfallen lassen.

Um unsere einigermaßen verstimmten Klonkrieger zu besänftigen, schob ich zwei Verabredungen mit Klassenkameraden dazwischen und organisierte kurzerhand einen Mikro-Urlaub bei den Großeltern über die Osterfeiertage. Dort angekommen, ging es dann so richtig ferienmäßig zu Sache: wir gingen Essen, besuchten mit dem Uropa ein Bergbaumuseum, feierten mit der Uroma Geburtstag und suchten Ostereier; kurz gesagt: wir rissen das Programm einer Woche in drei Tagen ab.

Und nun sitze ich hier, wieder daheim und völlig im Eimer, aber dennoch zufrieden. Morgen gehe ich wieder ins Büro und werde das Zepter an meinen Mann weiterreichen, der den Jungs schon eine „coole Männerwoche“ prophezeit hat. Wer wohl das Ferien-Bespaßungs-Battle am Ende für sich entscheiden wird? Es bleibt spannend…

 

Dieser Text ist ebenfalls erschienen auf Eltern

4 thoughts on “Ferien

  1. Angelika Bartsch

    Hallo liebe Barbara, schon während unserer gemeinsamen Arbeitsjahre, hab ich immer gerne zugehört, wenn du erzählst! Deine Ausdrucksweise ist unnachahmlich lebendig und unterhaltsam! Da kann man ein Schmunzeln nicht unterdrücken! Außerdem kommen mir die Schilderungen Deines Alltags sehr bekannt vor! Weiter so! Einfach toll! Wann machst du denn deine Fähigkeiten zum Beruf??? Ein Buch von dir als Autorin würde ich sofort kaufen und auch verschenken!!! Kompliment ! Liebe Grüsse Angelika

    1. Danke für die Blumen! Sollte tatsächlich irgendwann ein Buch von mir erscheinen, bist Du die erste, die es erfährt. 🙂

  2. Vietzke

    Genial der Ausdruck „Ferien-Bespaßungs-Battle“!!!! Bitte mitteilen, wer der Sieger wurde!!:)

    1. Ich glaube, es stand am Ende „unentschieden“. 😉

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