Lost in Lüdenscheid – eine Geschichte über das Loslassen

Lost in Lüdenscheid – eine Geschichte über das Loslassen

Unser Großer plante vor einiger Zeit über das Wochenende einen Freund in einer anderen Stadt zu besuchen. Destination seiner Reise war das beschauliche Städtchen Lüdenscheid.

Und seine Mutter starb indes im heimischen Essen tausend Tode…

Es fing schon gut an. Auf die Deutsche Bahn war selbstverständlich Verlass und die ursprünglich geplante Verbindung fiel mal eben kurzfristig ersatzlos aus. Dies teilte man den sichtlich und hörbar verstimmten potentiellen Fahrgästen allerdings erst am Gleis mit. Für Folgebahnen gab es aufgrund einer Stellwerksstörung vorerst keine gute Prognose, also fuhr ich mit dem enttäuschten Kind wieder nach Hause.

Dort angekommen erhielten wir von der Bahn-App die freudige Nachricht: „Hey, die nachfolgende Bahn fährt jetzt plötzlich doch!“

Also Schuhe und Jacken wieder an und mittels Taxi mit sehr heißen Reifen wieder zurück zum Bahnhof. Wenigstens war der Mann zuhause und konnte diese Tour übernehmen, so hatte ich die Gelegenheit schon mal mit Mir-Sorgen-Machen zu beginnen.

Dabei lief auf der Hinfahrt ab diesem Zeitpunkt dann eigentlich alles glatt, obwohl der Sohn in Hagen in den Schienenersatzverkehr umsteigen musste, da der Streckenabschnitt zwischen Hagen und Lüdenscheid seit Jahren nicht befahrbar ist und es offensichtlich auch niemand für nötig befindet diesen zügig zu reparieren. „Zügig“ passiert bei der Bahn ja ohnehin gefühlt nichts, was schon ein bisschen paradox ist wenn Ihr mich fragt. Pffft.

Long story short: der Sohn hatte ein wirklich schönes Wochenende und jede Menge Spaß. Was genau die Herren zu ihrem Zeitvertreib unternahmen, wissen wir nicht so genau, denn „what happens in Lüdenscheid, stays in Lüdenscheid“, you know?!

Richtig lustig wurde es erst als der Sohn am Sonntag Nachmittag die Heimreise antreten sollte. Bereits in der Früh hatte ich gewissenhaft die Störungsmeldungen der Bahn in der App verfolgt und war dort über eine Hiobsbotschaft nach der anderen gestolpert. Dort war von Störungen des Schienenersatzverkehrs oder gar komplettem Ausfall der Ersatzbusse die Rede.

Dazu muss man jetzt wissen, dass wir seit Jahren kein Auto haben und leider auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Ich hatte wirklich selten so einen nervenaufreibenden Sonntag, habe ständig die Bahn-App gecheckt und dem Sohn 53 WhatsApp Nachrichten geschickt – ich habe nachgezählt. Weil Loslassen, das kann ich nicht so gut.

Auch wenn der Große bereits 16 Jahre alt und durchaus in der Lage ist alleine eine Bahnreise zu unternehmen, sehe ich vor meinem geistigen Auge immer noch wie mein Dreijähriger alleine in einer fremden Stadt am Bahnhof steht. Verrückt, ich weiß.

Sämtliche Panikmache bezüglich des SEV war übrigens augenscheinlich nur so eine Art lustiger Zeitvertreib der Bahn, denn es lief alles absolut nach Plan und unser Sohn kam pünktlich nach Hause. Ich war mega erleichtert. Ich hoffe es ist das nächste Mal einfacher für mich wenn er mal wieder auf Reisen geht.

Letztens meinte er, dass er gerne mal nach Japan reisen würde. Ich fange dann mal mit Yoga an oder so.

One thought on “Lost in Lüdenscheid – eine Geschichte über das Loslassen

  1. Liebe Barbara, ich bin tief berührt von deiner Geschichte „Lost in Lüdenscheid“ auf „Aus dem Kopf“. Deine ehrlichen Worte über die Herausforderungen des Loslassens als Mutter, die mit den Unwägbarkeiten des öffentlichen Verkehrs und der Sorge um das eigene Kind jongliert, haben mich sehr bewegt. Es ist eine wunderbare Erinnerung daran, wie komplex und gleichzeitig bereichernd die Elternschaft sein kann. Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen und Gedanken mit uns teilst.

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