Generation Superkind

Generation Superkind

Kennt Ihr das auch? Ihr seid in Gesellschaft anderer Mütter und erzählt z.B., dass Euer Sprössling seit neuestem krabbelt – stolz wie Bolle versteht sich – und dann beginnen die anderen Eurer Artgenossinnen gleich darauf nahezu panisch damit die neuesten Entwicklungs-Errungenschaften ihrer Kinder aufzuzählen. Und irgendwie werdet Ihr das Gefühl nicht los, dass man die Leistungen Eures Filius damit herunterspielen und um jeden Preis übertrumpfen will.

Ich persönlich kann mich an sehr viele solcher Situationen im Laufe meiner Mutterschaft erinnern. Egal ob es ums Krabbeln ging, ums Töpfchen-Training oder die ersten Worte. Die Kinder der anderen konnten den „Einsatz“ meines Kindes immer halten und sogar noch verdoppeln. „Höher, schneller, weiter“ schien das Motto zu lauten.

Mein Sohn hatte gerade seine ersten tapsigen Schritte versucht!? … PAH! Der kleine Torben war letzte Woche zum ersten Mal einen Marathon gelaufen.

Ich freute mich wie ein Schnitzel darüber, dass mein Kind eine ganze Schale Möhren-Pampe gegessen hatte?! … Na, das war ja wohl GAR NICHTS dagegen, dass die kleine Melissa bereits mit 6 Monaten Feuertopf Metaxa mit vom Tisch aß.

Ich erinnere mich daran, dass mir mal eine Bekannte erzählte ihre Tochter könne mit 4 Monaten schon aus einem Becher trinken, ihr vor meinen Augen den Inhalt des Wasserglases über den Latz kippte und ihn mir dann zum Beweis vor die Nase hielt mit den Worten: „Schau! Alles ausgetrunken!“ „Ja nee, is klar!“, dachte ich mir in dem Moment nur.

Aber nicht nur im Baby- und Kleinkindalter meiner Jungs, auch heute kommen solche merkwürdigen Vorfälle immer mal wieder vor. Auch wenn sie im Vergleich zu früher stark zurück gegangen sind. Was eventuell auch daran liegt, dass ich mich von anderen Müttern weitestgehend fern halte wenn ich merke, dass sie eher dieser „leistungsorientierten“ Spezies angehören.

Ich halte absolut gar nichts davon, dass viele Mütter offensichtlich das Bedürfnis haben, ihre kleinen Wunder immerzu mit anderen Kindern zu messen und sich dann womöglich ein schlechtes Gewissen einreden weil der eigene Nachwuchs im Vergleich nicht „mithalten“ kann. Als frisch gebackene Mutter habe auch ich mich häufig verunsichern lassen. Habe mich an Ratgebern und den Aussagen anderer orientiert und war dann enttäuscht wenn irgendein Entwicklungsschritt auf sich warten ließ. Ich habe mir Vorwürfe gemacht und mich gefragt ob ich irgendetwas falsch mache weil mein Kind mit 16 Monaten immer noch keine Anstalten machte, ohne fremde Hilfe ein paar Schritte zu laufen. Ich war ungeduldig und manchmal sogar ziemlich genervt, dass „die anderen“ augenscheinlich alle super schön aßen und mein eigener Spross nicht EINEN Löffel von der gottverdammten Pastinaken-Matsche in seinem Mund behalten wollte und jedes Mal tat als wolle ich ihn vergiften wenn ich versuchte ihn zu füttern.

Aber irgendwann kam auch bei mir der Punkt, an dem ich mich fragen musste: Was soll der ganze Scheiß eigentlich? Wem will ich denn hier was beweisen?!

Es kann mir doch PUPSEGAL sein, ob die Ableger anderer Leute mit 2 Jahren Mandarin sprechen, den Mount Everest besteigen oder an ihrer Doktorarbeit sitzen! Das geht mich doch gar nichts an!

Und genau das wurde zu meinem persönlichen Leitspruch.

Wann immer eine andere Mutter versucht mir aufzutischen was ihr Kind im Vergleich zu meinen Kids alles tolles leistet oder kann, dann sage ich ab jetzt einfach:

Entschuldigung, aber das geht mich gar nichts an!“Dieser Satz ist übrigens auch in allen anderen Situationen, in denen Euch andere Menschen ungefragt mit für Euch uninteressanten Informationen füttern, jederzeit anwendbar. 😉

 

Dieser Text ist ebenfalls erschienen auf Eltern

#ausdemkopfwunschkonzert

2 thoughts on “Generation Superkind

  1. Petra

    Wunderbar geschrieben! Leider lässt man sich beim ersten Kind total verunsichern – besonders von dieser müttermafia wo die Kinder immer alles besser und schneller können… da muss man sich ein dickes Fell wachsen lassen!! Aber solche Menschen gibt es immer – auch in der eigenen Famile! So fragte mein Schwiegervater mich letzte Woche ob meine 10 Wochen alte Tochter sich denn schon drehen würde und ob es normal wäre dass sie erst 7 cm gewachsen sei… manchmal muss man einfach lernen solche Kommentare passend zu beantworten 😉

    1. 🙂 Ja, was „normal“ ist, ist ja auch eher so eine Interpretationssache. Ich habe in Punkto Entwicklungsschritte lieber auf unseren Kinderarzt gehört als auf andere Leute. Der war immer völlig relaxt und sagte „Keine Sorge, mit 16 kann er das.“ wenn ich z.B. Bedenken wegen des Laufens äußerte. Auch ein guter Spruch zum Kontern übrigens. 😉

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