Kuchenmafia

Kuchenmafia

Eigentlich habe ich immer gerne gebacken. Ich liebe es einfach, nachmittags nach getaner Arbeit oder am Sonntag ein schönes Stück Kuchen zu essen. Schön gemütlich, kombiniert mit einer Tasse Kaffee und am allerliebsten im Garten sitzend. Backen machte mir wirklich großen Spaß. Es hatte so was Meditatives. Soweit meine Auffassung bevor ich Teil der Kuchenmafia wurde.

Als meine Jungs das Kindergartenalter erreichten, machte ich zum ersten Mal mit ihr Bekanntschaft. Es begann ganz harmlos mit einem Zettel in der Kindergartentasche… einem Aushang neben dem Gruppenraum mit der Aufschrift „Wir benötigen noch Kuchenspenden für unser Sommerfest!“ oder „Für die Caféteria bei unserem Kleiderbasar am 02. September werden dringend noch Eltern gesucht, die Kuchen oder Muffins beisteuern.“. Ich trug mich brav ein und backte. Dann kamen die ersten Emails mit angehängten Doodle-Umfragen. Wieder setzte ich artig mein Häkchen in der Spalte „Ich spende einen Kuchen“ und backte. Backte, bis mir die Finger schmerzten. Irgendwann backte ich nur noch. Nächtelang und ohne Unterlass. Ich mutierte binnen weniger Wochen zu einem regelrechten „Backaholic“.

Egal ob für`s Gruppen-Geburtstagsfrühstück, für Erntedank-, Frühlings-, Sommer- Herbst- oder Winterfeste, Verabschiedungsfeiern, Kleiderbasare … auf mich war Verlass. Als ich einmal total vergrippt war und aus hygienischen Gründen nicht selber backen konnte, kaufte ich einen Kuchen. Schließlich hatte ich mit meiner Unterschrift für volle Mägen gebürgt. Mir sollte keiner nachsagen, dass ich nicht Wort halten konnte!

Mein Ofen hat in den vergangenen sechs Jahren wahrscheinlich mehr Gebäck hervorgebracht als eine städtische Großbäckerei.

Aber irgendwann lief das Ganze aus dem Ruder. Als ich einmal 72 Muffins in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen produziert hatte und merkte, dass selbst mein Vorrat an Gebäck-transportfähigen Vorratsdosen an seine Grenzen stieß, wurde mir plötzlich klar, dass es so nicht mehr weitergehen konnte.

Dieser Wahnsinn musste aufhören. Und zwar besser gestern als morgen.

Und so entsagte ich dem organisierten Backen. Heute bin ich seit zwei Jahren „clean“ und durch mein Ofenrohr geht nur noch Backwerk, das wir selbst verzehren oder für dessen Zubereitung ich wirklich Zeit habe. Ich setze mich da nicht mehr so unter Druck. Natürlich unterstütze ich auch weiterhin gerne Aktionstage in der Schule mit dem einen oder anderen Naschwerk aus eigener Herstellung. Aber nicht mehr um jeden Preis. 😉

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