Schreihals

SchreihalsAls ich vor mehr als neun Jahren erfuhr, dass der kleine Wurm, der in meinem Bauch heranwuchs, ein Junge war, habe ich mich ehrlich gefreut.

Natürlich hätte ich auch ein Mädchen „genommen“ ;-), aber die Aussicht auf einen kleinen Nachwuchs-Rocker gefiel mir auch sehr gut. Der stolze Papa in spe rannte auch gleich nach dem alles enthüllenden Ultraschalltermin in den nächsten Laden und kaufte ein Heavy Metal – kompatibles Lätzchen, ganz in Schwarz mit einem Totenkopf drauf.

Meine zwei Jungs waren im Großen und Ganzen relativ pflegeleichte Babies und natürlich (meistens) ganz entzückende Kleinkinder. Doch je größer sie wurden, desto lauter wurden sie auch. Man sollte ja meinen, dass der Mensch sobald er bei der Äußerung seiner Bedürfnisse nicht mehr auf ohrenbetäubendes Geschrei angewiesen ist und sich zu artikulieren weiß, auch in einer normalen Zimmerlautstärke zu sprechen pflegt. Nicht so meine Kinder! Diesen wichtigen Schritt ihrer Entwicklung scheinen sie glattweg übersprungen zu haben.

Eigentlich SPRECHEN sie nie, sie schreien. Immer. Sollte ich die hervorstechendste Eigenschaft unserer kleinen Wunder mit einem Wort beschreiben, so wäre meine Antwort:„laut“. Ich selber habe eine Schwester und natürlich konnten wir auch laut sein. Aber Jungs sind da echt noch mal einen ganzen Tick anders. Wenn einer meiner Söhne mir auf dem Weg zu einem Termin etwas erzählt, kann ich sicher sein, dass die gesamte Besetzung der Straßenbahn bis in den letzten Winkel bestens über unser Vorhaben informiert ist. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, das Kind dann zu ermahnen, in geschlossenen Räumen doch bitte die „Drinnen-Stimme“ zu benutzen. Mit mäßigem Erfolg.

Am Schönsten ist es wenn meine Jungs Verstärkung bekommen. Die Geräuschkulisse, die in unserem Haus herrscht, wenn jeder meiner Söhne einen Spielkameraden zu Besuch hat, kann locker mit der Einflugschneise am Düsseldorfer Flughafen mithalten. Wenn sich vier Jungs im Kinderzimmer hinter verschlossener Tür „unterhalten“, kann ich im Wohnzimmer jedes Wort verstehen. Das ist natürlich echt blöd, wenn die Herren einen „geheimen“ Pakt schließen sich unbemerkt an mir vorbei zum Gefrierschrank zu schleichen und für alle ein Eis zu mopsen. Oder wenn sie die Köpfe zusammenstecken und einstimmig beschließen, mir lieber nichts von dem Loch in der Papierlampe zu erzählen, die gerade einem Laserschwert-Kampf zum Opfer gefallen ist. „Mamas hören alles!“, pflege ich dann zu rufen, woraufhin es dann kurz ungewöhnlich still wird. (Stille ist sonst eher mit Vorsicht zu genießen. Wenn ich die Kinder mal NICHT höre, dann ist in 90% der Fälle irgendetwas faul.) Auf meinem Geburtstagswunschzettel steht in diesem Jahr auf jeden Fall ein Wochenend-Trip ins nächstgelegene Schweigekloster, soviel steht fest!

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