Kinder

Kinder

Kinder sind ein Geschenk. Aber an manchen Tagen wünschte ich, ich hätte die Kassenbons aufgehoben.
Nein, natürlich nicht wegen der Möglichkeit eines Umtauschs! (Die Rückgabefrist habe ich längst überschritten. ;-)) Es geht mir eher um eine Servicenummer, an die man sich in Problemsituationen wenden kann. Es gibt ja allerhand „Störungen“, die im Laufe eines Kinderlebens so auftreten können. Auf die meisten war ich trotz monatelanger Lektüre einschlägiger Ratgeber und Fachzeitschriften absolut nicht vorbereitet.

Bis ich Kinder bekam, war ich Buddha. Ich ruhte in mir selbst und behielt mir auch in kniffligen Situationen immer meine Gelassenheit. Um mich aus der Reserve zu locken oder gar richtig auf die Palme zu bringen, da brauchte es schon einiges. Meine Kinder hatten damit von Anfang an keinerlei Schwierigkeiten. Ich merkte sehr schnell, dass selbst ich (als praktizierende Pazifistin) mich der absolut entwaffnenden Ignoranz und Agressivität, die die Früchte unserer Liebe zeitweise an den Tag legten, geschlagen geben musste. Was mich bis heute am meisten fertig macht, ist die Ignoranz. Ich bin es mittlerweile gewohnt, Anweisungen oder Bitten mehr als einmal zu äußern, mit von Mal zu Mal steigender Lautstärke. Ja ja, ich weiß, Schreien bringt nichts. Aber wenn meine Kinder schreien, dann bleibt mir meist überhaupt keine Alternative, als selbst die Stimme zu erheben.

Besonders ausgeprägt wurde dieses Problem allerdings erst als mein damals dreijähriger Erstgeborener Verstärkung bekam. Ein freundliches: „Bitte sei ein bisschen leiser, dein kleiner Bruder schläft.“, wurde schon damals konsequent ausgeblendet und munter weitergelärmt. Auch drei oder vier noch ruhige Wiederholungen meiner Bitte strafte das Kind mit Missachtung. Mal sehen wie lange die Mama das durchhält. Herumbrüllen kann sie ja nicht, schließlich will sie ja nicht, dass der Kleine wach wird. Falsch gedacht. Nach der sechsten Aufforderung, sich zum Krach machen ins Wohnzimmer zu verdünnisieren, wurde Mamas Ton sehr ungemütlich.

Und dann war er plötzlich da, dieser Punkt, an dem erstmalig mein Kurzzeit-Tourette ausbrach. „Geh jetzt ins Wohnzimmer!“, keifte ich. „NEIN!“, brüllte mein Sohn entschlossen zurück. „Dein Bruder schläft. Ich habe keine Lust, immer alles zehnmal zu sagen! In der Mittagspause wird im Wohnzimmer gespielt und damit basta!“, hörte ich mich selber sagen. „Ich will aber in der Küche bleiben, du blöde Mama!“ schrie mein Sohn. Das war’s. Und zack, schon schoss mir die Sicherung raus. Ich packte unser kleines Wunder wortlos an den Schultern und schob es unsanft ins Wohnzimmer bevor ich die Tür mit einem zugegeben recht lauten Knall hinter ihm schloss. „Mama! Nicht so laut, das Baby schläft!“, schimpfte mein Sohn hinter der Tür.
Eins musste man ihm lassen, in Sachen Schlagfertigkeit machte ihm damals schon so schnell keiner etwas vor…

 

Dieser Text ist ebenfalls erschienen auf Eltern

2 thoughts on “Kinder

  1. Lena

    *lach* das kenne ich!!! Und dann schreit das Baby und ist den ganzen Tag schlecht drauf. … ich ziehe dann den großen mit ins Babyzimmer und lasse ihn den kleinen müden und weinenden kleinen angucken mit den Worten : das ist deine Schuld! – das hält so für eine Woche 😉 aber es wird besser!

    1. Ja, es wird tatsächlich besser! Irgendwann kommt die tolle Zeit, in der die Kids sich einfach mal ein Stündchen alleine beschäftigen. Himmlisch! 🙂

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